Gottfried Helnwein und Hans Kresnik

Dokumentation der Zusammenarbeit zwischen Gottfried Helnwein und Hans Kresnik
Documentation of the collaboration between Gottfried Helnwein and Hans Kresnik


This is one of the most fascinating collaborations between two outstanding artists in Germany's theater scene.  Both were born in Austria and share the rebelious, anarchistic attitude that so often caused controversy.




























Gottfried Helnwein was born in Vienna 1948, and like Kresnik, he left Austria and moved to Germany.  Helnwein worked with all types of media -- painting, drawing, photography . . . With his early work of wounded and bandaged children, and his performances in the tradition of the Wiener Aktionismus, he caused a lot of controversy in Austria as well as Germany.  Helnwein's slogan was, "Painting means to strike back".("Malen heißt sich wehren").

Some of Helnwein's early shows were closed and his artwork confiscated by police.  His work has been damaged or destroyed several times.

POLICE INVESTIGATES KILKENNY ART ATTACKS, Ireland (www.helnwein.com)
ATTACK ON HELNWEIN ART INSTALLATION AT MUSEUM LUDWIG, Cologne, Germany (www.helnwein.com)
More about Helnwein and the theatre:


HANS KRESNIK

Hans Kresnik was born in 1939 in Graz (Austria).  In 1966, after engagements in Graz and Bremen, he came to Cologne where two years of intense training by  ballet-master Leon Woizikowsky made him into a solo dancer.

He worked as a choreographer at the Bremen theater and then changed to Heidelberg, where he developed his political choreographic theater with the slogan "Ballet can fight" ("Ballett kann Kämpfen").

1994 he moved with his dance company to the Volksbühne in Berlin.

More about Hans Kresnik


GOTTFRIED HELNWEIN AND HANS KRESNIK

Hans Kresnik and Gottfried Helnwein met the first time in 1988 at Helnwein's castle in Burgbrohl, Germany.  Here Kresnik invited Helnwein to do the stage and costume design for his production of Macbeth (Shakespeare) at the Heidelberg Theater.  The music for this piece was composed by Kurt Schwertsik.

The premiere was a triumph.

Macbeth was invited by many international festivals, like the Theater Festival of Berlin, where it was awarded the Theater Prize of Berlin. It was also invited to the Edinburgh Festival and was shown in many countries around the world.

Some of the pictures of this legendary Theater-dance performance can be seen here:
Macbeth II (the witches)




PRESS

ARTICLES ABOUT "MACBETH"
Hans Kresnik, Gottfried Helnwein

by William Shakespeare
Choreographisches Theater, Hans Kresnik
First Performance: Theater der Stadt Heidelberg, 1988
Volksbühne, Berlin, 1995
Stage, costumes and make-up: Gottfried Helnwein
Award: Theater-prize of Berlin


Theater heute
1988
Peter von Becker
Wie Johann Kresnik und Gottfried Helnwein die Geschichte des "Macbeth" in Heidelberg neu erzählen
Der Vorhang im Theater ist rot wie Blut, die Bühne dahinter so weiß wie Schnee, und die Geschichte, die folgt: ein schwarzes Märchen. Natürlich gleicht die riesenweiße Szenerie, auf der - wie weiße Särge - ein Dutzend oder mehr Badewannen stehen, liegen, an die Wände gestellt sind, schon auf den ersten Blick dem Operationssaal einer Klinik oder, ein Schritt weiter, dem Leichenschauhaus. Auch ahnen wir, daß die leeren durchsichtigen Plastikschläuche rundum nicht etwa als modische Neonschlingen dienen, sondern sich recht bald mit roter Farbe füllen werden. Es sind dann: Blutbahnen. Allem kalten Grusel zum Trotz hat dieser Saal in seiner klinischen Helle auch Chic. Erinnert an die weiße Disco-Welle. Und es wird hier ja getanzt werden, denn auf dem Programm steht als Uraufführung "Macbeth", Choreographisches Tanztheater von Johann Kresnik, Musik Kurt Schwertsik, Ausstattung Gottfried Helnwein. Wie schön, daß im Theater bislang noch jeder Zuschauer seinen eigenen Analytiker spielen kann. Auch bei Doktor Kresnik und Professor Helnwein. . .


19.Feb.1988
Die Zeit
Rolf Michaelis
Choreographisches Theater in Heidelberg. "Macbeth" von Johann Kresnik und Gottfried Helnwein
Doch gelingt es Kresnik und Helnwein uns mit einer grausigen Mord-Ballade zu fesseln, die mit höhnischem Gelächter vor unseren Augen vorbeirast - wobei der schon dem Tod geweihte neue Herrscher statt der Krone eine zwar goldene, aber noch Narren-Kappe wie eine Tiara trägt. Sieger, so die Botschaft, gibt es im tödlich närrischen Kampf um die Macht nicht. Sieger in Heidelberg sind, in einer glanzvoll wüsten Inszenierung:
Gottfried Helnwein, Johann Kresnik und das mitreißend auftrumpfende Ensemble von siebzehn Tänzerinnen und Tänzern. . .


03.Mar.1988
WIENER
Roland Groß
Kresniks Choreographie und dazu Maß und Ausstattung von Gottfried Helnwein dem vom Alltag verletzten und daher stark bandagierten Höllen-Breughel der Trivialkultur - parallele Phantasien haben sich hier gefunden. Helnwein: "Das Ganze ist sehr hart und direkt. Selbst derjenige, den die Macbeth-Geschichte nichts angeht, soll den Mund aufsperren. Auch ein Vertreter der Video-Clip-Kultur. Es muss genügend Orientierungspunkte für den Betrachter geben, der mir überaus wichtig ist." Durch Kurt Schwertsiks live dargebotene Klaviermusik für vier Hände - der Flügel ist die einzige Insel im Gedärm des Orchestergrabens - komplettiert sich der Austria-Dreier: ein energetischer Bewußtseinschub für Kopf, Ohren und Augen.Klinisch weiß, mit Kunststoffbahnen ausgeschlagen, gleißt das Bühnenfeld zwischen Bluttümpel und Todestor, hinter dem sich die jeweiligen Morde des Macbeth geräuschlos und ohne Publikumszeugen abspielen: Nur die Plastikschläuche an den Bühnenseiten färben sich rot, die Blutpumpen erfüllen ihre Funktion als Konkurrenten-Entsafter im Dienste der Karriere. Der Pegel der Orchesterwanne steigt.Helnweins Makrorealismus, seine harte und direkte Signalkunst, gipfelt in der Ermordung der Macduff-Familie. Wir schauen in eine monströse Idylle, eine riesenhaft aufgeblähte Traummärchen-Welt der deutschen
Wohnküche. Meterhoch sind Tisch und Stuhl, Tasse und Teekanne von gewaltigem Ausmaß. Helnwein zeigt sich als wacher Beobachter und Transformator gesellschaftlicher Bedingungen, ohne dabei den schrill visuellen Kick, als Verständigungs-Vehikel, außer Acht zu lassen. . .


20.Feb.1992
Kronenzeitung, Wien
Karlheinz Roschitz
TANZ 92 im Ronacher: Start mit Kresniks "Macbeth". Sie lieben Schauder, Alpträume, Schocks. Wen wundert's, dass beide bei Shakespeares "Macbeth" zu einem wahren Höhenflug blutiger Phantasie abheben: Österreichs Schockmaler Gottfried Helnwein und der Kärntner Johann Kresnik, Bremens Tanztheaterchef und international bejubelter Choreograf, zeigten nun im Ronacher ihren Bremer "Macbeth". Ein Erfolg für "TANZ 92" - Organisator Gerhard Brunner...


20.Feb.1992
Die Presse
Linda Zamponi
Mit Johann Kresniks "Macbeth" im Ronacher startet "Tanz 92" In dem Wiener Maler und Aktionisten Gottfried Helnwein hat Kresnik den kongenialen Ausstatter. Ein blutroter Vorhang, davor ein Wassergraben, die kalkweiß ausgeleuchtete Bühne schließt den Hintergrund mit einem bedrohlich hohen Metalltor, durch das der Tod kommt und geht. Die gesichtslose Gestalt, die jede Szene beendet, leert emotionslos Kübel um Kübel Menschenblut in den Graben, zum Schluß wird es eine Badewanne voll sein, die sie fein säuberlich von der Blutspur des Verbrechens reinigt und ihre Hände in Unschuld wäscht.
Die Wanne als Symbol für die Greueltaten aller. Anfangs sind es unzählige solcher Wannen, Särge mit deformierten, geschundenen Kreaturen, zwischen denen Macbeth und die Lady die ersten Mordgedanken
wälzen; Drei Hexen mit lemurenhaften Fratzen bieten Macbeth die nackten Brüste, das Blut, das er gierig aus ihnen saugt, treibt ihn vom Blut zum Machtrausch. Noch aber widersetzt er sich der Antriebskraft der dominierenden Frau.


1. Nov. 1990
Fischer Verlag
Hildegard Kraus
Wenn eine Steigerung möglich ist, gelingt sie Kresnik, im Frühjahr 1988, mit seinem nächsten Stück: Macbeth. Natürlich erzählt Kresniks Choreographisches Theater die blutgetränkte Fabel Shakespeares nicht einfach nach. Es hat sich einiger Motive bemächtigt die es wieder und wieder repetiert, in großaufgerissenen, heftig blutenden Bildern und verstörten, irrsinnigen Aktionen, denen der Kresnik geistesverwandte Wiener Maler Gottfried Helnwein als Bühnen- und Kostümbildner lediglich drei Farben gegeben hat: das Schwarz des Todes, das Weiß der Schlachthofwände und Leichentücher und das Rot des Blutes. Das Drama von Königsmord und Wahnsinn erscheint bei Kresnik wie durch den Fleischwolf gedreht: ein Hackstück, roh und triefend von Blut. Bis kurz vor Schluß der Aufführung gibt es keinerlei Entwicklung; nur Ansichten und Variationen von Tod, Mord und Irresein, umgesetzt in bohrende Bilder und verstörende Aktionen. Die Welt als Schlachthaus, abendfüllend und ohne Perspektivenwechsel, ohne Hoffnungsschimmer. Die Figuren heißen zwar "Banquo", "Duncan", "Macbeth" und "Macduff" samt zugehörigen Ladies; auch die drei Hexen, die mit ihren Einflüsterungen die originale Tragödie erst in Gang setzen, sind vorhanden als Mischung aus BDM-Mädchen, Militärpolizistinnen und Go-go-Girls: hübsche Harpyien des Grauens, die das monogam in sich kreisende, mit Blut geschmierte Geschehen antreiben und kontrollieren.


01. April 1988
Ballett-Journal
Das Tanzarchiv Zeitung für Tanpädagogik und Ballett-Theater
Eberhard Gockel
Hans Kresnik choreographierte William Shakespeares "Macbeth" in Heidelberg
Eines steht fest: In Heidelberg wird Theatergeschichte geschrieben.
Am Theater der Stadt Heidelberg feierten Hans Kresnik und sein Ensemble eine glanzvolle Premiere: "Macbeth" nach William Shakespeare. Die Musik für Klavier zu vier Händen schrieb Kurt Schwertsik. Die schaurig-schönen Bühnenbilder gestaltete der Wiener Mater Gottfried Helnwein. Seine Devise: "Ich halte Donald Duck für ein größeres Kunstwerk als Mona Lisa." Kresniks politisches Lehrstück reflektiert im Schlußbild Zeitgeschichte: In Anspielung auf ein umstrittenes Illustrierten-Photo stirbt Macbeth, alias Uwe Barschel, in der Badewanne.



ARTICLES ABOUT "PASOLINI"
Hans Kresnik, Gottfried Helnwein

Schauspielhaus Hamburg, 1996
Stage and costumes: Gottfried Helnwein
Directed by: Hans Kresnik


29. April 1996
Berliner Zeitung (Kultur)
Detlef Friedrich
Die bunten Plakate des Malers und Bühnenbildners Gottfried Helnwein rings um das Theater und überall in Hamburgs Stadtteil Sankt Georg zeigen eine knallbunte Pieta.
Ein zarter, freudig leidender Leichnam Christi verbirgt einen mächtigen Phallus aus Kunststoff keinesfalls unterm Schamtuch.
Helnweins Bühnenbild: Ein vierstufiges rotes Podest, darauf ein goldener, hoher Altar, dahinter ein schwarzes Heiligenbild mit kopulierenden ragazzi di vita, Straßenjungs. Kirche der Abartigkeit wie des Schöpfertums.
Gottfried Helnwein hat das Polizeifoto des 1975 auf der Straße grauenvoll getöteten Pasolini blutig auf den Vorhang gemalt. Davor sitzt ein korrekt in dunkles Tuch gekleideter Pasolini, der auf der Reiseschreibmaschine einen Brief an den Dichterfreund Alberto Moravia schreibt.



ARTICLES ABOUT "SADE/MARAT"
Hans Kresnik, Gottfried Helnwein

Staatstheater Stuttgart, 1989
Directed by: Hans Kresnik
Stage, costume and make-up: Gottfried Helnwein


09. May 1990
Die Zeit
Rolf Michaelis
Johann Kresnik inszeniert ein schrilles Requiem auf die DDR
Schockierend schon das Plakat, das der für Bühnenbild und Kostüme verantwortliche, als Maler im photorealistischen Stil bekanntgewordene Wiener Gottfried Helnwein entworfen hat: das ins Grobe vergrösserte Presse-Photo des in einer Blutlache liegenden Kopfes von Oskar Lafontaine. Rot eingeblendet: 'Das Attentat".
Ja, geht es im Stück von Peter Weiss nicht um das Attentat, das die junge Charlotte Corday am 13. Juli 1793 auf den jakobinischen Führer der Revolution, Marat verübt hat? Und hat sie sich nicht kurz vor dem Anschlag "ein Küchenmesser" gekauft, wie die Frau des Jahres 1990?
Die assoziationswütigen Österreicher Helnwein und Kresnik haben schon für ihren "Macbeth" (Heidelberg 1988) den machtbesessenen Politiker Shakespeares in einer Badewanne sterben lassen - und dafür mit dem Presse-Photo des toten Uwe Barschel im Genfer Hotel auf dem Plakat geworben.
Woran denken Helnwein/Kresnik nach dem 9. November 1989, wenn sie bei Peter Weiss solche Sätze lesen?
"Mit der Ruhelosigkeit der Gedanken / lässt sich keine Mauer durchbrechen. / Wir sind die Erfinder der Revolution / doch wir können noch nicht damit umgehen./ Siehst du den Irrsinn dieser Vaterlandsliebe.../ Ich pfeife auf die Nation / so wie ich auf alle anderen Nationen pfeife../ Ich pfeife auf diese Bewegungen von Massen / die im Kreise laufen..."
Schräg ist alles an Helnweins Bühne: ein gekipptes, ein irres Haus, ein schiefes Irrenhaus als Raum unseres Lebens. Die Bühne ist, von rechts nach links, im Winkel von 26 Grad geneigt. Auf dieser Rutschbahn, die von Krankenpflegern gewässert wird, wenn sie mit Feuerwehrschläuchen die erhitzten Kranken kühlen, findet Leben statt: man robbt nach oben, schlittert nach unten. Auch die beiden klinikweissen Wände dieses Saals stehen nicht im rechten Winkel. Sie knicken weg mit je drei blinden Fenstern übereinander. . .


09. Mai 1990
Die Welt
Hartmut Regitz
Kresniks "Marat/Sade": Stuttgarts Intendant sieht "befruchtende Wirkung"
Er legt das Stück"wie eine Blaupause auf die Realität" (so Bühnenbildner Gottfried Helnwein) und verfremdet damit die Vorlage auf eine Weise, die durch die Überlappung zweier Revolutionen überraschende Erkenntnisse ermöglicht.
Was 1789 in Paris geschah, was sich 1989 in der DDR ereignete, lässt sich in der Tat aufeinander beziehen, und die Folgen, die Marat vor der Nationalversammlung anprangert, der Reichtum der Reichen, die an jeder Revolution stets gut verdient haben, und das Konsumdenken des Volkes, das weniger die Freiheit als Bananen wählt; Das kann einen durch eine aktuelle Aufführung schon nachdenklich machen - selbst wenn sie sich in ihren Einfällen bisweilen vergreift...
Helnwein hat Kresnik zwischen zwei einstürzenden Neubauten in kaltem Weiss eine Schräge gebaut, auf der die Menschen immer wieder ausgleiten und gegen die die Wände knallen. Hoch über dem Geschehen schwebt Jaques Roux (Werner Prinz) und bläst zwischendurch auf der Trompete wie zum Jüngsten Gericht. Gleich zu Anfang stürzt Charlotte Corday aus einem Fenster (Yvonne Devrient), schneidet sich erst ins Fleisch, um später über die stuhlbedeckte Bühne zu kriechen. Duperret wiederum, ihr Trainingspartner, turnt auf dem Sims herum, während sich im blutrot ausstaffierten Proszenium Marquis de Sade (Claus Boysen, der seinen nackten Bauch zu Markte trägt) und Hospitz-Direktor Coulmier (Carsten Otto) am sinnenfrohen Spektakel weiden. Dazwischen Peter Rühring als krätziger Marat, der sich vergebens gegen die Massen auflehnt und am Ende einen Liebestod im Delirium erleidet - bevor auf dem Bildschirmen ein Werbespot die absolute Säuberung verheisst. . .


11. May 1990
Hessische Post
Sibylle Peine
Boris und Steffi in Kresniks Version des "Marat" von Peter Weiss
Ein Panoptikum über Deutschland macht Regisseur Johannes Kresnik aus dem Drama "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul MaratsW von Peter Weiss. Die Ausstattung für die Inszenierung am Staatstheater Stuttgart besorgte Gottfried Helnwein.
Ungewöhnlich ist das Bühnenbild von Helnwein: Die Schauspieler agieren auf einer weißen Schräge mit einem Winkel von 26 Grad, umrahmt von zwei schiefen weißen Wänden. Dadurch bieten sich reiz volle Möglichkeiten für die Choreographie Kresniks, einmal für die Massenszenen, aber auch für die Auftritte der Corday (Yvonne Devrient), wirkungsvoll bei der Mordszene, die hier mit einem sehr schrägen Liebesakt kombiniert ist.


08. May 1990
Nürnberger Zeitung
Peter Kümmel
Kresniks "Marat/Sade" in Stuttgart
Kresnik und Helnwein machen Theater, wie die Redakteure von Boulevardblättern Überschriften titeln: spekulativ, schnell, reißerisch, kühn. Ihr Theater kämpft gegen Menschenverachtung - und vibriert, im Gegenschlag, vor Hohn. Es hat keine "subtilen Momente", keine Ruhepunkte, es verabreicht "Dröhnungen" wie ein Hardrockkonzert Dieser "Marat/Sade" ist ein mit hohem darstellerischem Einsatz und technischem Aufwand inszenierter Gegenschlag.


07. May 1990
Basler Zeitung
Reinhardt Stumm
Johann Kresnik, Gottfried Helnwein und "Marat/Sade" in Stuttgart
Damals wie jetzt war freilich auch ein zweiter Mann ganz wesentlich beteiligt. Der Wiener Malermonteur Gottfried Helnwein, ein dunkellockiger, engelhaft lieb aussehender Kunstbube, dessen Einfälle sogar abgebrühte Illustriertenmacher in tiefe Depressionen stürzen. In Stuttgart inszenierte Kresnik das offenbar unverwüstliche, jetzt eben wieder neu entdeckte Theaterstück "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade" von Peter Weiss. Und Gottfried Helnwein erfand die Bühne und die Kostüme dazu. Zweifellos nicht nur dieses. Die Zusammenarbeit der beiden Herren ergab auch diesesmal einen Synergieeffekt, der das Ganze zu mehr macht als zu einer Summe der Teile.


07. May 1990
Stuttgarter Nachrichten
Feuilleton
Peter Kümmel
Johann Kresnik inszeniert "Marat/Sade" von Peter Weiss am Staatstheater Stuttgart
Kresnik und Helnwein machen Theater, wie die Redakteure von Boulevardblättern Überschriften titeln: spekulativ, schnell, reißerisch, kühn. Ihr Theater kämpft gegen Menschenverachtung - und vibriert, im Gegenschlag, vor Hohn. Es hat keine "subtilen Momente", keine Ruhepunkte, es verabreicht "Dröhnungen" wie ein Hardrockkonzert. Dieser "Marat/Sade" ist ein mit hohem darstellerischem Einsatz und technischem Aufwand inszenierter Gegenschlag. Ein Schlag in Watte ins Chimärengesicht der "Öffentlichkeit". Geschlagen fühlt sich keiner. In Kresniks Spiegel mag man sich noch nicht wiedererkennen, auch wenn man fürchten mag, daß sein Horror wahr werden könnte.
Nun ja, wir werden es sehen, daheim an den Bildschirmen.


05. May 1990
Stuttgarter Nachrichten
Kultur Magazin
Peter Kümmel
Vor der Premiere: Kresnik und Helnwein sprechen über ihre Stuttgarter "Marat/Sade"-Version
Kresnik hat die Stuttgarter Inszenierung zusammen mit seinem österreichischen Landsmann, dem Maler Gottfried Helnwein erarbeitet. "Als wir mit der Arbeit anfingen", sagt Kresnik, "stand die Mauer noch. Dann kam der 9. November, dann der 18. März. Und je mehr sich abzeichnete, was aus der 'Deutschen Revolution' wurde, desto mehr hat sich unsere Interpretation verschärft. Der Fall der Mauer war für mich als Theatermacher ein gefundenes Fressen. Er wird mir wieder für zehn Jahre zu tun geben."
          

05. May 1990
Stuttgarter Zeitung
Maria Ossowski
Premiere im Stuttgarter Schauspielhaus
Der als Fotorealist bekanntgewordene Wiener Künstler Gottfried Helnwein schuf das Bühnenbild zu Kresniks Inszenierung. "Meine Bildideen scheitern oft and der Zweidimensionalität, fürs Theater kann ich vom Make-up übers Bühnenbild bis zum Plakat alles entwerfen, das kommt meinen künstlerischen Vorstellungen am nächsten." Seine Ideen schufen den Akteuren anfangs grosse Probleme. Er entwarf als Bühne eine Schräge, im 60-Grad-Winkel, für die man die Schauspieler eigentlich hätte anseilen müssen, und flachte sie dann auf 26 Grad ab. " Aber die Schauspieler sind immer noch ziemlich ausser Atem."



ARTICLES ON "OEDIPUS"
Hans Kresnik, Gottfried Helnwein

by Sophokles
German ChoreographicTheater Hans Kresnik
Heidelberg Theater, 1989
Stage and costumes: Gottfried Helnwein


14. April 1989
Rhein-Zeitung
Helnwein gestaltet Bühnenbild zu "Ödipus"
Kresnik, der wieder mit dem in Burgbrohl lebenden Maler Gottfried Helnwein zusammenarbeitet, zeigt nicht die geringste Ehrfurcht vor Sophokles: Die Aufführung benutzt den König Ödipus, um gegen den Mythos vom unausweichlichen Leid und schuldlosen Jammer des Seins zu protestieren. . .


11. April 1989
Neue Züricher Zeitung
"Ödipus" von Johann Kresnik in Heidelberg
Es bleibt nicht hei einem Mord. Kresnik erzählt zwar die Tragödie des Sophokles so, wie sie im Buche steht, erfindet zugleich jedoch für seinen Ödipus immer wieder neue Tötungssituationen: Der Sohn, selbst Opfer, kommt von seiner Blutschuld, von seiner Blutschande nicht mehr los. Eine Tat zieht die andere nach sich. Ein ewiger Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nicht einmal des Rätsels Lösung, von der Sphinx gefordert, schafft für einen Augenblick Erleichterung. Auf Krücken bewegt sie sich blindlings vorwärts, drei behinderte Mediziner mit fratzenhaften Gesichtern hinter dicken Brillengläsern: Spukgestalten aus dem Schreckenskabinett des Gottfried Helnwein.
Der szenische Anteil des österreichischen Malers ist evident. Wie schon beim "Macbeth" vor einem Jahr hat Helnwein Bild- und Kostümideen in das Choreographische Theater seines Landsmanns eingebracht, die dem Stück eine neue und durchaus diskutable Dimension geben: Das Spiel mit den Stahltüren, die ausgewählten Farben, überhaupt die Konzentration auf starke Bildsymbole wie Axt, Blutlaken, Tisch, Stuhl und Stock ermöglichen nämlich eine Dichte, die andere Kresnik-Kreationen nicht immer besessen haben. Der Heidelberger Ballettchef deklariert denn auch seinen «Ödipus» nachträglich als Teil einer Trilogie, die mit "Macbeth" begann und mit einem «Lear», vielleicht aber auch mit "Richard III." an seiner künftigen Arbeitsstelle, in Bremen, endet und das Thema Macht jeweils am Fall einer Familie unterschiedlich interpretiert.


01. April 1989
Westdeutsche Allgemeine
Hans Jansen
Heidelberg: Johann Kresnik vollendet sein choreographisches Theater mit "Ödipus"
Kresnik und sein Bühnenbildner, der österreichische Maler Gottfried Helnwein, entwickeln für diese Sicht des Ödipus, dem die Erkenntnis der eigenen Schuld nicht Läuterung, sondern Fluch bringt, eine Ästhetik kunstvoll verschlüsselter Symbole. Aus fünf bühnenhohen Eisentüren, deren Riegel mit ohrenbetäubendem Lärm zuschlagen, kommen die mythischen Gestalten hervor, bilden lebende Skulpturen, lösen sich zum klassischen Pas de deux oder Pas de trois, ehe sie sich wieder, gleichsam von unsichtbaren Mächten getrieben, zu wild skandierenden Körperketten zusammenschließen.


29. March 1989
Rheinische Post
Hartmut Regitz
Choreographisches Theater: "Ödipus" von Kresnik in Heidelberg
Der szenische Anteil des österreichischen Malers ist ganz offensichtlich. Wie schon beim "Macbeth" vor einem Jahr hat Helnwein Bild- und Kostümideen in das Choreographische Theater seines Landsmanns Johann Kresnik eingebracht, die dessen Stückchen eine neue und durchaus gegenwärtige Dimension geben. Das Spiel mit den Stahltüren, die Symbolik der ausgesuchten Farben, überhaupt die Konzentration auf starke Bildsignale wie Axt, Blutlaken, Tisch, Stuhl und Stock ermöglichen eine Dichte, die nicht alle Kresnik-Arbeiten der letzten Jahre besessen haben.



ARTICLES ON "TRIONFI"

Directed by: Hans Kresnik
Stage, costume and make-up: Gottfried Helnwein
Munich Opera Festival, 1990

The Munich Opera Festival 1990 director, Sawallisch, asked Kresnik and Helnwein to do "Trionfi" by Carl Orff.  The work was so provocative, especially Helnwein's radical costume designs, that director Sawallisch immediately cancelled the contract with Helnwein and Kresnik, which caused a scandal in Germany's opera world.


30.May.1990
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gerhard R.Koch
Typisch ist auch dafür der Streit zwischen August Everding und Wolfgang Sawallisch um die Bayrische Staatsoper. Dieser Zwist hat nun eine bemerkenswerte Teiltransplantation erfahren. Diesmal heißen nämlich die Kombattanten nicht Everding und Sawallisch, sondern Sawallisch steht nun ein ganzes Künstlerquintett gegenüber: der Choreograph Hans Kresnik, der Maler Gottfried Helnwein, der Schriftsteller Gerd Jonke und der Tänzer Ismael Ivo sowie ein nicht namentlich genannter "Lichtdesigner der Rockmusikszene" - wobei Kresnik und Helnwein als die Hauptwidersacher dastehen. Ob Kresnik- Helnweins "Trionfi" den Segen der Orffianer gefunden hätte, ist sekundär gegenüber der Tatsache, dass man wissen muss, worauf man sich einlässt. Ein leider gänzlich fiktives Beispiel mag dies belegen: Käme ein Opernintendant, gar ein Festspielleiter auf die Idee, den amerikanischen Rocksänger und "Down by Law"- Schauspieler Tom Waits als Don Giovanni zu verpflichten, dann verhieße eben dies raueste, knurrendste Originalität eines unbehausten Vokalwüstlings. Sich dann über mangelnde Probenadrettheit und ungenügende Belcanto-Geschmeidigkeit zu beklagen, zeugt vom Mangel an Realismus. Konzeptionslosigkeit hat also nicht die Bayrische Staatsoper Kresnik und Helnwein anzulasten, sondern der Vorwurf fällt auf die großmächtige Institution zurück. . .


29.Mar.1990
Süddeutsche Zeitung
Roe
In der "Trionfi"-Affäre der Bayrischen Staatsoper, die dem engagierten Produktionsteam Kresnik/Helnwein den Laufpass gab und damit die geplante Festspielpremiere Anfang Juli gefährdete( siehe SZ vom 23.03), hatten sich die Herren Kresnik und Helnwein in kritischen Erwiderungen zu Wort gemeldet...


27 Mar.1990
dpa
Sawallisch kontra Kresnik und Helnwein.
Kresnik : "Es ist schade um die Arbeit, die angefangen vom Bühnenbild und dem Beleuchtungskonzept völlig klar und durchdacht war." Helnwein verwies in seiner Stellungnahme darauf, dass von ihm seit 1989 ein komplettes, maßstabgetreues Modell mit allen dazugehörigen Zeichnungen vorliege. Die Einzelheiten seien mit dem technisch Verantwortlichen besprochen worden, einer der besten Lichtdesigner der Rockmusikszene habe ein Beleuchtungskonzept mit über 250 computergesteuerten Scheinwerfern mit drei großen Videoleinwänden erarbeitet.
Zu seiner Vorlage mit Ausschnitten aus Bekleidungskatalogen als Grundlage für die Kostüme, die Sawallisch als Missachtung des künstlerischen Anspruchs der Oper zurück gewiesen hatte, sagte Helnwein:
"Dass meine Trivial-Collagen imstande waren, Herrn Sawallisch in eine schwere Krise zu stürzen, zeigt nur, dass er die Kunstgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts mit Readymade, Dada, Warhol und Beuys
verschlafen hat."(...)


27.Mar.1990
BZ, Berlin
Opern-Krach in München, 2.Teil:
Jetzt schießen der entlassene Ausstatter Gottfried Helnwein und der Regisseur und Choreograph Johann Kresnik, denen Operndirektor Wolfgang Sawallisch "Konzeptionslosigkeit" vorgeworfen hat, zurück...


23.Mar.1990
B.Z. Berlin
Verführerische Mädchen in reizvoller Unterwäsche - ausgeschnitten aus Versandhaus-Katalogen! Diese Katalogmädchen-Auswahl legte Starkünstler Gottfried Helnwein dem Staatsopern-Direktor Wolfgang Sawallisch als Kostüm-Entwürfe für die nächste Opernpremiere Opernchef wütend über die nettern Mädchen aus dem Katalog. Ballett-Stars und Sängerinnen sollten in Unterwäsche auftreten - Direktor Sawallisch feuert Kostümausstatter Helnwein...




HEINER MÜLLER, HANS KRESNIK, GOTTFRIED HELNWEIN, ISMAEL IVO:

Together with Heiner Müller, Helnwein, Kresnik and dancer Ismael Ivo were working on a play about Antonin Artaud.  Unfortunately, due to the death of Heiner Müller this project was never completed.


Heiner Müller wrote this essay about Helnwein:

Gottfried Helnwein, Ninth November Night, Catalogue
Heiner Müller

BLACK MIRROR
A story by Stephen King. An American schoolboy, twelve or thirteen years old, fascinated in his small-town boredom by documents on the German concentration camps - the way his classmates are by Superman -
the formula of his fascination: THEY JUST DID THOSE THINGS.

At his daily bus stop, he recognises a face he has seen in photographs, under a black cap with skull insignia and above a black SS uniform. They boy blackmails the unidentified murderer to tell HOW DID YOU DO THOSE THINGS. The murderer tells to save his life. Curiosity becomes the urge for real experience: the two of them found Murder Inc. and rid the small town of dogs, tramps, and other "unworthy life"... How does a friendly person like Helnwein stand making his - excellent - painting into a mirror of the terrors of this
century? Or is it that he can't stand not doing it? Does his mirror just reflect the attitude of the century? TERROR WITHOUT END IS BETTER THAN AN ENDING IN TERROR. It comes from the over-evaluation of death, a consequence of "statistics" making it taboo. Perseus guillotines the Gorgon in the mirror -, and when the head falls, it is his own. How many heads does a person/man have in our age of mirrors?

GOTTFRIED HELNWEIN, Ninth November Night Catalogue

Museum Ludwig 17 Sep - 30 Nov, 1988. Museé de l'Elysée, Lausanne 22
Juni -30 Aug, 1990.



other Helnwein sites:

 
This is a printable version of www.Helnwein.com